Sonja in Ecuador: Mai 2010

 ¡Hola!

Der Mai war mein letzter kompletter Monat in Ecuador, da ich am 17.Juni schon nach Hause fliege. Im Zentrum des Monats Mai stand sicherlich meine Reise nach Galapagos mit 14 weiteren Austauschschülern von YFU.

Unser Flug nach Galapagos ging am Sonntagmorgen früh los, ich habe aber zuerst noch zwei interessante Tage in Quito verbracht. Schon am Freitagmorgen bin ich mit einem Freund nach Quito gefahren. Nachdem wir mein Gepäck bei meiner Tante abgeladen haben, fuhren wir ins CCI, ein Einkaufszentrum in Quito. Dort gingen wir Schlittschuhlaufen, was unglaublich lustig war, da nämlich der grösste Teil aller Leute die ganze Zeit nur umfiel. Ich habe mich ein bisschen wie im Schweizer Winter gefühlt und deswegen das Schlittschuhlaufen auch sehr genossen. Danach gingen wir noch bei "Pizza Hut" essen (Pizza Hut hat die leckerste Pizza Quitos, wie man so schön sagt) und dann fuhr ich schon zum Haus meiner Tante. Am Abend nahmen mich mein Onkel und meine Cousins mit, um das "Centro historico", also die Altstadt Quitos, kennen zu lernen. Da es schon ziemlich kalt war, sind wir einfach im Auto durch die ganze Altstadt gefahren und ich konnte die schönen Kirchen, Kathedralen und Bauwerke bewundern. Dann fuhren wir noch zu einem kleinen Aussichtspunkt, wo wir den wunderschönen, nächtlichen Ausblick über Quito genossen.

Am nächsten Tag habe ich am Morgen schön ausgeschlafen und am Nachmittag sind wir mit der Familie meines Onkels zur „Mitad del Mundo“ (Mitte der Welt), also dem Äquator gefahren. Die „Mitad del Mundo“ besteht aus einem kleinen Dörfchen mit Souvenirshops, Restaurants, Museen und natürlich der Äquatorlinie und dem grossen Denkmal (welches aber etwas falsch gesetzt wurde, die "richtige" Mitad del mundo liegt etwa 300 Meter davon entfernt). Wir haben richtig viele Fotos geschossen und auch zwei Museen besucht. Das eine über die ethnischen Gruppen Ecuadors und das andere war eine Miniatureausblidung der Altstadt Quitos. Zum Schluss gingen wir noch Eis essen und danach schon wieder nach Hause.

Am Abend fuhr ich dann zum Hostel, wo alle Austauschschüler die Nacht vor der Reise verbracht haben. Dort war aber noch gar niemand, also habe ich einen Kollegen aus Quito angerufen und er hat mich abgeholt. Zusammen mit meiner deutschen Freundin Nele und einigen weiteren Freunden aus Quito haben wir dann die Nacht in einer Bar verbracht. Wir sind ziemlich spät wieder im Hostel angekommen und da wir schon um etwa halb fünf Uhr morgens am Flughafen sein mussten, haben wir gar nichts mehr geschlafen.

Am Sonntag, 9.Mai 2010, begann dann das Abenteuer Galapagos. Der Flug auf die Insel Baltra dauerte etwa drei Stunden mit einem Zwischenhalt in Guayaquil. Vom winzig kleinen Flughafen auf Galapagos fuhren wir dann in einem Bus zum Hafen in Santa Cruz, wo wir unser Schiff bezogen. Nach dem Mittagessen gab es einen Besuch in einen Park mit jeder Menge Schildkröten, Leguanen und weiteren Tieren, was sehr interessant war. In der Nacht steuerten wir dann auf eine andere Insel zu. Die nächsten drei Tage auf Galapagos verbrachten wir auf drei verschiedenen Inseln, wo wir jeweils kleine Wanderungen machten, Schnorcheln gingen und auch freie Zeit zum Relaxen an wunderschönen Stränden hatten. Bei den Wanderungen konnten wir atemberaubend schöne Landschaft und eine riesige Tiervielfalt betrachten. Wir haben jede Menge Seelöwen gesehen und zwar von so richtig nahe. Eine sehr typische Tierart von den Galapagosinseln sind die Boobies, entengrosse Vögel mit knallblauen Flossen. Am Nachmittag sind wir jeweils Schnorcheln gegangen, was wunderschön war, da wir mit Schildkröten, Seelöwen und jeder Menge Fischarten schwimmen konnten. Und dann gab es auch noch diese traumhaften, einsamen Strände... Galapagos ist wirklich ein Paradies und ich verbrachte eine meiner besten Wochen in diesem Jahr.

Wieder zurück auf dem Festland, verbrachte ich einen weiteren Tag in Quito, wo wir den Artesaniasmarkt (den Handwerk und Kunstmarkt) besuchten und ich einige Souvenirs und Geschenke für meine Familie in der Schweiz kaufte.

Nach einer langen Woche kam ich dann endlich wieder in Latacunga an, wo ich schon sehnsüchtig von meiner Familie erwartet wurde. Es war für mich ein schönes Gefühl, nach Hause zu kommen zu einer Familie, die ich liebe wie meine eigene in der Schweiz.

In Latacunga ging das Alltagsleben weiter, Schule, Freunde, Ausgang... Am 27. Mai fand bei uns in der Schule der "Dia de las Nacionalidades", also der Tag der Nationalitäten, statt. Wir sind auf meiner Schule fünf Austauschschüler und es gibt auch einige Schüler mit ausländischen Wurzeln und wir alle mussten unser Land repräsentieren. Meine Schwester, meine besten Freundinnen und ich haben uns eine Improvisation einer Schweizer Tracht schneidern lassen, in welcher wir dann auftraten. Der erste offizielle Teil des Programms bestand daraus, dass von jedem Land die Nationalhymne gespielt wurde und der jeweilige Schüler die Flagge seines Landes hochziehen musste. Ich habe mich sehr stolz gefühlt, meine Heimat zu repräsentieren und es war ein spezieller Moment für mich, im fernen Ecuador die Schweizer Nationalhymne zu hören und den Blick von ecuadorianischen 1500 Mitschülern auf die Schweizer Flagge gerichtet zu haben. Im zweiten Teil musste jeder Schüler einen Stand zu seinem Land aufbauen und mit Hilfe meiner Klassenkameraden haben wir einen schönen Schweizer Stand aufgebaut. Es gab Uhren, Züge, Käse Schokolade, aber auch viele andere Informationen über die Schweiz. Es war ein sehr schöner Tag und ich war ein kleiner Star. Viele der kleineren Schüler wollten Fotos von mir schiessen und jemand hat mich sogar um ein Autogramm gebeten. :) Ich hoffe, ich konnte meinen ecuadorianischen Mitschülern etwas mehr über meine Heimat erzählen und ein gutes Bild der Schweiz übermitteln.

Am letzten Samstag bin ich zusammen mit einem Freund zum Cotopaxi gefahren. Der Cotopaxi ist ein aktiver Vulkan von fast 6000 m.ü.M. Am Fuss des Cotopaxis gibt es einen schönen Nationalpark, wo wir eine grosse Pflanzenvielfalt und einen schönen See betrachten konnten. Dann fuhren wir weiter Richtung Vulkan. Mit dem Auto kann man eine Höhe von 4500 Metern erreichen, dann heisst es zu Fuss weitergehen. Es war sehr sehr anstrengend, den Vulkan hochzusteigen und ich hatte auf dieser Höhe einige Atemprobleme. Wir wollten dann eigentlich bis zu der Schneegrenze hochsteigen, waren aber zu müde und sind bei einer Höhe von fast 5000 Metern umgekehrt. Es war ein wunderschönes Erlebnis und ich möchte noch einmal zum Cotopaxi fahren, um doch noch bis zur Schneegrenze hochzusteigen.

Am Sonntag war dann die Erstkommunion meines Cousins und wir haben einen schönen Tag im Kreise meiner ganzen Familie verbracht.

Nun geht es nur noch knapp zwei Wochen bis zu meiner Heimreise in die Schweiz und meine Gefühle sind sehr zweigeteilt. Einerseits freue ich mich sehr darauf, meine Familie und Freunde in der Schweiz nach so langer Zeit endlich wieder zu sehen, andererseits möchte ich mich nicht von all den tollen Menschen, meiner Familie, meinen Freunden und meiner Klasse in meinem geliebten Ecuador verabschieden. Ich habe hier ein wunderschönes Jahr mit unvergesslichen Erlebnissen verbracht und auch wenn es nicht immer einfach war, kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war, ein Austauschjahr in Ecuador zu machen. Ich habe nicht nur fliessend Spanisch gelernt, sondern auch ein fremdes Land mit seinen Menschen, seinen Kulturen und seinen wunderschönen Landschaften kennen gelernt. Ich habe sehr viel gelernt über verschiedene Kulturen, andere Lebensweisen und auch über mich selbst. Ich habe mir hier in Ecuador ein zweites Leben aufgebaut und ein zweites Zuhause gefunden und nun soll ich das alles in wenigen Tagen schon verlassen... Das ist doch ein Gedanke, der mich sehr traurig macht. Ich habe nun in meinen letzten zwei Wochen noch jede Menge vor und möchte meine letzte Zeit in vollen Zügen geniessen.

Liebe Grüsse zum letzten Mal aus Ecuador

Sonja

 
12:41 | 04.Februar 2012