Sonja in Ecuador: Juni 2010

Hallihallo aus der Ostschweiz!

Ja, ich bin wieder in der Schweiz. Ich kann es zwar selbst kaum glauben, aber das Abenteuer Austauschjahr ist schon vorbei. Obwohl, ganz vorbei wird das Ganze für mich wahrscheinlich nie sein, denn die vielen wertvollen Erinnerungen an ein wunderschönes Jahr mit tollen, sowie auch schwierigen Momenten, werde ich immer in meinem Herzen tragen. Ausserdem fühle ich mich immer noch als Teil meiner Gastfamilie, stehe in regem Kontakt mit meinen ecuadorianischen Freunden und freue mich auf den Tag, an dem wir uns wieder sehen werden. Denn eines war uns allen beim Abschied irgendwie klar: Es ist kein Abschied für immer, sondern bloss ein „bis bald!“

Nun aber von vorne. Der Monat Juni war, wie ihr ja schon wisst, mein letzter Monat in Ecuador. Es war für mich natürlich ein sehr spezieller Monat, mit einigen der schönsten, aber auch der traurigsten Momente in meinem ganzen Austauschjahr.

Am ersten Samstag im Juni fand in Pujilí, einem Dorf in der Nähe von Latacunga, der Corpus Cristi, ein grosser Umzug von verschiedenen Tanzgruppen und Trachten Ecuadors, statt. Mit meiner Familie fuhren wir morgens nach Pujilí und schauten dort den Umzug an, verbrachten einen schönen Tag und ich habe viele Fotos geschossen. 
Am Sonntag fuhren wir zusammen mit meinem Onkel und seiner Familie, sowie einigen Freunden meines Papas nach Zumbahua, da dieser dort eine Konferenz mit den Indígenas hatte. Zumbahua ist ein Indigenasdorf, etwa eineinhalb Stunden von Latacunga entfernt und ziemlich in den Bergen. Auf der Fahr sahen wir wunderschöne Landschaften und endlich in Zumbahua angekommen, wurden wir freundlich von den Indigenas aufgenommen und zum Mittagessen eingeladen. (Es gab als Delikatesse eine Suppe mit Meerschweinchenschenkeln...)
Image Etwas vor vier Uhr nachmittags war die Konferenz dann vorbei und wir beschlossen, zum Quilotoa zu fahren, der sehr nahe von Zumbahua liegt. Der Quilotoa ist ein Kratersee und wirklich wunderwunderschön. Oben am Krater angekommen, kauften wir einige Souvenirs und mein Cousin Ariel, ein Freund meines Papas und ich beschlossen, bis zum See hinunter zu steigen. Der Weg zum See ist lang und an einigen Stellen ziemlich steil. Unten angekommen schossen wir Fotos und genossen den wunderschönen Kratersee. Und dann hiess es los zum Aufstieg. Der Aufstieg war anstrengend und lang und da wir doch wieder auf einer ziemlichen Höhe waren, auch sehr ermüdend. Schlussendlich haben wir es aber geschafft und fuhren abends glücklich aber todmüde zurück nach Latacunga.

Darauf folgte meine letzte Schulwoche oder besser gesagt, meine letzten zwei Schultage in Ecuador. Wegen dem Todesfall einer Grosstante fuhren wir mit der ganzen Familie am Dienstagvormittag nach Quito. Ich war also nur bis zur Pause in der Schule. Wir hatten zum Glück fast nur Freistunden, so genoss ich also noch die letzte Zeit gemeinsam mit meinen Klassenkameraden. Ich brachte ihnen etwas der Schweizer Schokolade mit, die mir meine Mama aus der Schweiz geschickt hatte. Ausserdem hatte ich mir eine Ecuador-Flagge gekauft, auf der mir alle etwas drauf schrieben, ebenfalls wurde das T-Shirt meiner Schuluniform gründlich voll geschrieben. Danach haben wir jede Menge Fotos geschossen und um etwa halb elf bin ich auch schon nach Hause gegangen... Es war schon komisch, zum letzten Mal die Schuluniform anzuziehen, zum letzten Mal in unserem Schulzimmer zu sitzen, zum letzten Mal mit meinen Freunden im Colegio herumschlendern... Zum Glück war es nicht traurig, da ich die meisten meiner Klassenkameraden noch einmal sehen würde.

Nachdem wir am Dienstag dann abends von Quito zurückgekommen sind, haben meine Mama und ich unsere Koffer gepackt und um etwa elf Uhr abends sind wir zusammen mit Baby Nicolas in den Bus nach Machala gestiegen. Machala ist eine Stadt ganz im Süden der Küste Ecuadors und die Fahrt dauerte etwa neun Stunden. Morgens um acht Uhr sind wir dann in Santa Rosa, einer Kleinstadt ausserhalb Machalas angekommen, wo wir schon vom Onkel und der Tante meiner Gastmama erwartet wurden. Dort haben wir dann gefrühstückt, uns geduscht und etwas geplaudert und ich bin dann mit meiner Cousine Nadia im Bus nach Huaquillas, einer Grenzstadt zwischen Ecuador und Peru gefahren. Wir sind im peruanischen Teil der Stadt shoppen gegangen, da dort sehr viele Kleider sehr billig verkauft werden... Ich habe mir einige Sachen gekauft und auch noch ein bisschen Peru kennen gelernt…
Image Zurück in Santa Rosa haben wir abends noch einige Runden durch die Stadt gedreht, einige Sachen eingekauft und am nächsten Morgen um fünf Uhr früh ging’s auch schon los im Bus Richtung Salinas. Salinas ist ein beliebter Touristenort direkt am Meer. Um etwa elf Uhr sind wir dort angekommen, haben uns ein Hotel gesucht und den ganzen Tag am Strand verbracht. An den Stränden Ecuadors gibt es jede Menge Verkäufer, die ihre Ware, z.B. Schmuck, Kunsthandwerk, Kleider und vieles mehr, herumtragen und direkt an die Leute verkaufen. Ich habe mir dann ein Zöpfchen machen lassen und zwei Kleider, sowie jede Menge Schmuck gekauft. Abends sind wir fein essen gegangen und danach hiess es schon wieder Koffer packen.
Am nächsten Morgen sind wir nach einem reichen Frühstück nach Guayaquil, der grössten Stadt Ecuadors, aufgebrochen. Dort angekommen, sind wir als erstes zum Flughafen gefahren, um das Gepäck abzuladen und das Flugticket für den Heimweg zu kaufen. Dann machten wir uns auf Sightseeing tour in der Metropole Guayaquil. Guayaquil ist wirklich ein Glanzstück und es hat mir sehr gut gefallen. Wir sind lange Zeit dem Malecon, also dem Teil der direkt am Fluss Guayas liegt, nachgelaufen und sind auch wieder ein bisschen shoppen gegangen. Danach machten wir uns auf zum Künstlerviertel „Las Peñas“. Las Peñas ist ein ehemaliges Armenviertel an einem Hügel, welches von einigen Künstlern wunderschön und mit vielen Farben gestaltet worden ist. Nach einem erlebnisreichen Tag fuhren wir gegen Abend im Taxi direkt zum Flughafen und so ging’s wieder „nach Hause“, nach Latacunga. Der Trip an die Küste hat mir sehr sehr gut gefallen und es war schön, nur mit meiner Mama und meinem kleinen Bruder zu reisen, da wir wirklich alles machen konnten, was wir wollten und nicht die Wünsche von drei weiteren Geschwistern zu beachten hatten. Ausserdem verstehe ich mich unglaublich gut mit meiner Mama und es war toll, einige Tage nur mit ihr zu verbringen!

Am Wochenende habe ich etwas Zeit mit meiner Familie verbracht, mich ausgeruht und am Montag bin ich mit einem Freund noch einmal zum Cotopaxi gefahren. Mein zweiter Ausflug zum Cotopaxi war noch toller als der erste, denn diesmal sind wir wirklich bis zur Schneegrenze (also auf etwa 5200 m.ü.M.) gestiegen und haben denn Schnee berührt. Es war auch ein kleines Abenteuer, da wir bei der Heimfahrt etwas in die Nacht hinein kamen und uns bei schlechten Bedingungen durch die schlechte Bergstrasse kämpfen mussten (inklusive Auto aus dem Schlamm schieben usw.)

Image Dann gab es auch noch die Fussball WM, von der ich mir die meisten Spiele anschaute (auch wenn ich dafür in den Ferien jeden Tag um 6.30 Uhr aufstehen musste). Das Spiel Schweiz – Spanien war natürlich ein besonderes Highlight und da es an meinem zweitletzten Tag in Ecuador war, traf ich mich mit meinen Freunden, um das Spiel gemeinsam zu schauen. Wir fieberten natürlich voll mit der Schweiz mit und die Freude war umso grösser, als unsere Nati das Spiel gewann! Ich genoss noch meine letzten Momente mit meinen Freunden und dann hiess es schon Abschied nehmen von vielen.

Meine letzten Stunden in Ecuador verbrachte ich dann mit packen, Geschenke und Andenken einkaufen, Sachen erledigen und mich verabschieden... Ich hatte natürlich alles auf den letzten Moment hinausgeschoben und kam noch so richtig in den Stress (was ich aber nachträglich als nicht einmal so schlecht betrachte, da mir so keine Zeit blieb, um richtig traurig zu sein). So verbrachte ich also die meiste Zeit durch die Stadt rennend, um Souvenirs und Andenken zu kaufen und bei mir zuhause dauerte es auch eine Weile, bis ich alle Sachen zusammen hatte. Danach hiess es nur noch packen, packen, packen.

Und irgendwie ging dann alles ganz schnell und schon stand ich am Flughafen in Quito und sollte mich verabschieden. Mich von meinen Schwestern und meiner Gastfamilie zu verabschieden war der traurigste und schwierigste Moment des ganzen Austauschjahres. Mit meiner Gastfamilie hatte ich so viele schöne Momente erlebt, ich fühlte mich total als Familienmitglied und konnte mir gar nicht vorstellen, ohne sie zu sein. Und nun sollte ich einfach „adiós“ sagen, nach so vielen geteilten Erinnerungen und Erlebnissen und ohne zu wissen, wann wir uns wieder sehen würden? Der Abschied war sehr traurig und natürlich auch sehr tränenreich. Meine Traurigkeit hielt den ganzen Flug an und ich hatte in Zürich doch etwas Angst davor, meine Familie zu treffen. Wie würde es sein, nach so langer Zeit? Als wir uns dann aber endlich in den Armen lagen, war die Traurigkeit für einen Moment wie weg, ich war einfach glücklich, wieder bei meinen Liebsten zu sein.

Die ersten Tage/Wochen in der Schweiz waren trotzdem nicht einfach für mich. Ich stand ziemlich neben den Schuhen, dachte bloss an Ecuador und an meine Familie und Freunde dort und verbrachte ganze Nächte im Internet, um mit all den Leuten in Ecuador zu kommunizieren. Ich wollte eigentlich nur so schnell wie möglich zurück und an der Schweiz gefiel mir gar nichts. Alles war langweilig und so anders als in meinem geliebten Ecuador. Sogar mit dem Deutschsprechen hatte ich anfangs etwas Mühe. Nach und nach wurde es dann etwas besser und jetzt kann ich schon sagen, dass ich mich etwas eingelebt habe in der Schweiz, obwohl ich Ecuador unglaublich vermisse. Ich werde wahrscheinlich nie aufhören, Ecuador und die Menschen dort zu vermissen. Aber es wird besser, jeden Tag entdecke ich neue positive Dinge an meinem „neuen alten“ Leben in der Schweiz und ich bin einfach unglaublich dankbar, dass ich die Chance hatte, eine solch grossartige Erfahrung zu machen und dieses wunderbare Jahr zu erleben! An dieser Stelle gehört natürlich ein riesengrosser Dank an meine Eltern, die mir das Austauschjahr ermöglicht und immer unterstützt haben und an YFU, die meinen grossen Traum, ein Jahr in Ecuador zu verbringen, wahr gemacht haben!

 
12:44 | 04.Februar 2012