Sonja in Ecuador: Februar 2010

Hola aus Ecuador!

Der Februar war mit nur 28 Tagen ein kurzer Monat und ging dementsprechend auch wahnsinnig schnell vorbei. Trotzdem gibt es einiges zu erzählen.

Image Februar bedeutet in Ecuador Karnevalszeit. Und Karneval bedeutet unglaublich viel Spass. Hier in Ecuador besteht Karneval nicht wie in der Schweiz aus Guggenmusik, Konfettischlachten und Verkleidungen, sondern aus riesigen Wasserschlachten. Auf der Strasse ist man nirgends mehr sicher, denn an jeder Ecke wird man mit Wasserbomben beworfen oder einem wird sogar einen ganzen Eimern voll Wasser angeleert. Vor meiner Schule war jeweils die Hölle los und ich bin einige Tage lang nie trocken nach Hause gekommen. Und ich als “gringa” musste natürlich reichlich in den ecuadorianischen Karnevalsbrauch eingeführt werden und wurde immer als erste von allen nass gemacht. Es wird aber nicht nur mit Wasser gespielt, das wäre ja langweilig. Kann also gut sein, dass dir plötzlich ein Ei an den Kopf fliegt oder Mehl in die Augen. Auch gibt es spezielle Schaumsprays, bei denen wir uns wirklich total von Kopf bis Fuss voll gespritzt haben. Einmal, vor meiner Schule, bin ich von einigen Jungs gepackt worden, weggetragen, auf den Boden gelegt und dann von einem gigantischen Eimer voll Wasser, gemischt mit viel Erde, überleert worden und mit einem lauten “Bienvenida en Ecuador” (Willkommen in Ecuador) wieder freigelassen. So kam ich dann zuhause klitschnass und voller Erde an und verbrachte erst mal gut 2 Stunden damit, meine schöne blauweisse Uniform von Hand zu waschen. Einige Male haben wir uns auch mit einigen Freunden getroffen, um Karneval zu spielen und haben unter anderem unser ganzes Haus mit Schaum voll gespritzt und uns einmal mit der ganzen Kleidung in einen Pool gestürzt. Image

Neben dem ganzen Karnevalspass habe ich aber auch noch einige andere Dinge erlebt. Am 14. Februar war, wie auf der ganzen Welt, auch in Ecuador der Valentinstag. Valentinstag ist hier ein ziemlich grosses Ding und es wurde schon Wochen davor diskutiert und überlegt, was man sich den schenken und mit dem Freund unternehmen soll. In der Schule wurden wie wild Karten, Rosen und andere Geschenke verteilt. Ich habe den Valentinstag schlussendlich mit meinen Schwestern und dem Freund meiner grossen Schwester in Salcedo, einem Dorf in der nähe von Iatacunga verbracht, wo wir gepicknickt und natürlich auch zünftig Karneval gespielt haben (wobei ich von einem kleinen, fremden Jungen aus dem Hinterhalt angegriffen wurde).

Dann gab es kurze Ferien, das heisst, wir hatten 2 Tage schulfrei! Mit meiner Familie fuhr ich nach Riobamba, wo wir von einem Freund, der früher für meinen Gastvater gearbeitet hat und seiner ganzen Familie zum Essen eingeladen wurden. Die Familie wohnt ziemlich auf dem Land und wir haben uns schon gefragt, ob wir wohl wieder heil nach Hause kommen würden, als wir nach einer – so schien es – unendlichen Fahrt auf eher etwas schlechteren Strassenverhältnissen, endlich in dem kleinen Dorf angelangt sind. Die Familie gehört eher zu den ärmeren Familien Ecuadors, was man an den Lebensverhältnissen schnell erkennen konnte. Wir wurden aber unglaublich herzlich aufgenommen und versorgt und es war eine gute Erfahrung, auch einmal das Leben in der Unterschicht des Landes kennen zu lernen. Das kleine Dorf, in dem wir zu Besuch waren, lag am Hang eines grossen Hügels, direkt gegenüber des aktiven Vulkans „Tungurahua“, der dann auch fleissig Asche gespuckt hat, was doch auch ein nicht unbedingt alltägliches Erlebnis war. Image

Am Anfang des Monats habe ich mein erstes Fussballspiel in Ecuador live miterlebt. Mit einem Freund bin ich morgens, ausgerüstet mit Trikots und Fanschals, nach Ambato gefahren, wo unser Team, die LIGA aus Quito, gegen Macara aus Ambato spielte. Wir suchten uns dann Plätze im Fansektor, wo dann auch wild gesungen und angefeuert wurde (wobei ich mich eher etwas fehl am Platz gefühlt habe, da ich keinen einzigen der Fangesänge auswendig konnte). Von meinen Freunden wurde ich dann gewarnt, ich müsse bei den Goals der Liga etwas aufpassen, da alle Fans wie wild nach unten rennen würden. Aber das sei eigentlich nicht besonders gefährlich, ich müsse einfach aufpassen, dass man mich nicht umwerfe. Da war ich natürlich gleich viel beruhigter. Ich wurde dann beim ersten Goal der Liga auch kalt erwischt und erst einmal ziemlich nach unten gestossen und umgeworfen worden, aber zum Glück ist nichts weiter passiert. Beim nächsten Goal wusste ich dann schon eher mit der Situation umzugehen und wurde auch nicht mehr nach unten gestossen. Schlussendlich endete das Spiel 2:2 und es war ein super Erlebnis (auch wenn ich mir einen grausamen Sonnenbrand im Gesicht geholt habe.)

Das ist also so mehr oder weniger die Zusammenfassung meines Februars. Jetzt ist es schon März und es fehlt immer weniger bis zu meiner Heimreise, was mich doch ein bisschen traurig macht. Ich habe bereits meine Flugdaten erhalten und werde etwas verfrüht schon am 17. Juni 2010 wieder nach Hause fliegen.

Liebe Grüsse und bis zum nächsten Monat

Sonja

 
12:41 | 04.Februar 2012