Sonja in Ecuador: Dezember 2009

Feliz año nuevo!! Als erstes moechte ich euch allen alles Gute im neuen Jahr wuenschen! Schon sind wir im 2010 und es geht langsam aber sicher auf die Halbzeit meines Austauschjahres zu!
 
In diesem Monat war abgesehen von Weihnachten nicht besonders viel los. Anfang Dezember kamen die Familie meiner Mama, die seit einiger Zeit in den USA lebt, sowie eine Cousine aus Kuba an, um Weihnachten hier in Ecuador zu verbringen. Familienbesuch - das bedeutet stets ein volles Haus.
Weihnachten kam immer naeher, aber wie ich schon im Novemberbericht erwaehnt hatte, kam ueberhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. In den letzten neun Tagen vor Heiligabend wurde dann die „Novena“ gefeiert. In der „Novena“ versammelt sich die Familie im Wohnzimmer, es wird eine Kerze angezuendet, gebetet und Weihnachtslieder gesungen (die Weihnachtslieder hier sind uebrigens nicht so andaechtig wie unsere, es wird dazu laut im Takt mitgeklatscht). Auch wird ueber verschiedene Dinge geredet - ueber Gott und die Welt.
Und dann war auch schon der 24. Dezember da. Am Nachmittag lief ich bei strahlendem Sonnenschein und schoenstem Wetter ins Zentrum, um im Internetcafe via Skype ein bisschen mit meiner Familie in der Schweiz zu plaudern. Am Abend machten wir uns fertig, packten die Geschenke ein und fuhren zum Haus einer Tante, wo schon die gesamte Verwandtschaft auf uns wartete. Und dann feierten wir Weihnachten.
Mein Eindruck von Weihnachten in Ecuador war, verglichen zu Weihnachten in meiner Familie in der Schweiz, ziemlich laut und chaotisch. Zuerst wurde Truthahn gegessen, das typische Weihnachtsgericht, und danach gab es Geschenke. Ich bekam von meiner Familie ein T-Shirt, Socken und eine Tasche. Typisch hier ist es auch, dass an alle Kinder Saecklein mit Suessigkeiten verteilt werden, so wurden wir also mit genuegend Suessem eingedeckt :)
Danach wurde Musik gehoert, getanzt und (natuerlich nur unter den Erwachsenen) reichlich getrunken.
Am naechsten Morgen gingen wir wieder zum Haus meiner Tante, wo wir uns dann ans Aufraeumen machten und den Rest des Truthahns assen. Die naechsten Tage vergingen dann ganz schnell, meine Schwestern und ich genossen vor allem, endlich einmal Ferien zu haben und richtig schoen lange ausschlafen zu koennen.
 
Am 31. Dezember redete ich dann nochmals mit meiner Familie in der Schweiz, um allen einen guten Rutsch ins 2010 zu wuenschen und dann gingen die Feierlichkeiten in Ecuador los. Mit meiner Tante und ihrer Familie machten wir uns am fruehen Abend auf ins Zentrum, wo es viel zu sehen gab. Silvester ist hier ein grosses Fest. Es ist ein Brauch, grosse Puppen zu basteln, die dann spaeter am Abend verbrannt werden. So konnten wir an jeder Ecke die lebensgrossen Puppen betrachten, die schoen angerichtet und mit Spruechen fürs neue Jahr aufgestellt waren.
Auch ist es typisch, dass einige Maenner sich als Frauen verkleiden und an Kreuzungen vor den Autos tanzen, was doch ein ziemlich amuesanter Anblick ist. :) Viele Leute laufen auch mit Masken herum, so haben mein Cousin und ich uns natuerlich auch typische Silvestermasken gekauft. Spaeter am Abend versammelten wir uns alle im Haus unserer Grosseltern, wo als erstes reichlich gegessen und dann später draussen zur Musik getanzt wurde. Auch in unserer Familie haben sie Puppen gebastelt und sogar ich wurde in einer dargestellt :) Spaeter wurde dann das Testament der Familie verlesen, was auch ein Brauch hier ist. Es wird humorvoll aufgeschrieben, was man jedem Familienmitglied im neuen Jahr hinterlaesst. Wieder im Haus gab es einen "intercambio de regalos", also einen Austausch von Geschenken. Jedes Familienmitglied zog davor ein Los und musste dann für diese Person ein Geschenk besorgen und diese wurden an diesem Abend verteilt. Ich bekam von meinem kleinen Cousin eine Bluse und Schmuck geschenkt.
Bald war es dann soweit und kurz vor Mitternacht zuendeten wir die Puppen an und um Punkt zwoelf wurde allen mit einer festen Umarmung ein frohes Neues gewuenscht!
Danach wurde bis in die fruehen Morgenstunden weitergetanzt und gefeiert und aufs 2010 angestossen!!
 
Das waren also meine Feiertage in Ecuador, um einiges anders als in der Schweiz, aber doch ziemlich schoen. Besonders an Weihnachten habe ich mir schon gewuenscht, fuer einige Stunden zu Hause sein zu koennen, um Weihnachten mit meiner richtigen Familie zu feiern, aber Heimweh konnte man das nicht nennen.
Ich bin richtig gluecklich hier in Ecuador und will gar nicht daran denken, dass in weniger als 6 Monaten alles schon vorbei sein wird... Ich habe mir hier in Ecuador ein zweites Leben aufgebaut, habe eine zweite Familie und viele Freunde und es wird sicher schwer werden, das alles hinter mir zu lassen. Aber ich werde jetzt einfach das Beste aus der  zweiten Haelfte meines Austauschjahres machen!
 
Liebe Gruesse aus Ecuador
Sonja

 
12:40 | 04.Februar 2012