Sandra in Russland: Mai 2010

Dieser Monat begann einfach super, denn endlich stand meine Reise nach St.Petersburg an, auf die ich mich schon seit Herbst gefreut hatte. Dort würde ich mich mit meiner Russischklasse aus der Schweiz treffen. Ich konnte mich also auf zwei Dinge freuen: Erstens einige meiner Freunde endlich wieder zu sehen und zweitens endlich mal St.Petersburg besuchen zu können. Da wir hier sehr wenige YFU Studenten sind (12 insgesamt in ganz Russland verteilt), haben wir nicht die Möglichkeit, Ausflüge in solche Städte zu machen. Deshalb war ich besonders froh, dass ich endlich von YFU die endgültige Erlaubnis bekommen habe, nach Petersburg fahren zu dürfen (danke an dieser Stelle nochmals YFU Schweiz für die tatkräftige Unterstützung und natürlich auch meinen Eltern). Zuerst stand mal eine neunstündige Zugfahrt von Moskau nach Petersburg an, welche ich mit meiner früheren Gastschwester Alessya aus Tschuwaschien antrat (die Arme musste zuerst ja noch 12 Stunden nach Moskau fahren). Die Zugfahrt verlief viel besser als meine Reise nach Moskau und morgens um 6.00 Uhr fuhren wir in St.Petersburg ein - die, wie ich jetzt weiss, schönste Stadt Russlands! Obwohl wir etwas erschöpft von der Reise waren, hatten wir nicht lange Zeit auszuruhen. Denn um 9.00 Uhr stand schon das Frühstück im Hotel an, doch zuvor war dann endlich das heiss ersehnte Treffen mit meinen Freunden. Wir alle freuten uns riesig, als wir schlussendlich voreinander standen und hatten uns natürlich super viel zu erzählen. Aus Rücksicht auf Alessya versuchten wir die meiste Zeit auf Englisch zu reden.

Es war wirklich ein tolles Gefühl, endlich wieder meine Freunde sehen zu können, mit ihnen zu reden (ja ja und am Anfang halt doch noch auf Schweizerdeutsch) und einfach alles mit ihnen austauschen zu können, was in den letzten Monaten so passiert war. Natürlich hatten wir immer über E-Mail und Briefe Kontakt, jedoch ist es einfach etwas anderes, wenn man mit jemandem direkt reden kann. Nach dieser Woche war ich übrigens total heiser, da ich schon lange nicht mehr so viel geredet hatte. Unser Hotel war super, wir hatten morgens und abends ein riesiges Buffet und konnten so viel essen, wie wir wollten. Ich zeigte meinen Freunden ein paar russische Köstlichkeiten und viele schienen das russische Essen genauso zu mögen, wie ich es tue.

Natürlich bestand die Reise aber nicht nur aus essen und quatschen. Wir hatten ein sehr interessantes Programm, welches für uns zusammengestellt wurde. Morgens fuhren wir immer so um 10.00 Uhr mit einem eigenen Bus los, besuchten Museen, Paläste, besichtigten die Innenstadt usw. Mittags gab es immer etwas zu essen in einem Restaurant und danach war wieder Programm angesagt. Abends waren wir immer so um 17.00 Uhr im Hotel, ruhten uns aus, quatschten auf den Zimmern, liefen den "maskovski prospekt" entlang (unsere Strasse) oder setzten uns nach dem Abendessen in eine gemütliche Bar, tranken etwas und tauschten uns über den Tag aus. Da gab es nämlich immer viel zu bereden. Das Programm war wirklich sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet. Wir besuchten das Museum der Stadtgeschichte, die letzte Wohnung von Dostojewskij, den Peterhofpalast, das Alexander-Newski Kloster, die Peter- und Pauls-Festung, den Pawlowsk Palast und und und. Es war wirklich ein sehr interessantes und spannendes Programm.

St.Petersburg kann ich wirklich nur jedem empfehlen. Die Stadt ist wunderschön und gefällt mir persönlich besser als Moskau. In Moskau gibt es einfach viele Orte, wo man hin kann und wo es ganz nett ist, aber im Grossen und Ganzen ist die Stadt nicht sehr schön. Peter ist hingegen eine Stadt, wo man durch die Strassen spazieren kann und sich einfach überall hinsetzen und ausruhen könnte, weil einfach ganz Petersburg mit schönen Parks, vielen netten Restaurants etc. geschmückt ist. Mit dem Wetter hatten wir auch ziemlich Glück. Man sagt von Peter, dass es hier 40 Tage im Jahr sonnig ist, die restlichen Tage haben sie schlechtes Wetter. In acht Tagen habe ich es nur zweimal regnen sehen. Zwar war es manchmal sehr kalt, weil hier ein sehr kalter Wind weht, im Grossen und Ganzen war es jedoch eher schönes Wetter (wofür all die Fotografen aus unserer Gruppe sehr dankbar waren ;)).

Leider kam dann doch recht schnell das Ende der Woche in St.Petersburg. Schweren Herzens musste ich mich von meinen Freunden verabschieden. Ich wusste zwar, dass ich sie bald wieder sehen werde, dennoch war der Abschied schwer, denn jetzt musste ich wieder zurück nach Moskau, wo ich eigentlich gar nicht mehr hinwollte. Ich stellte mich darauf ein, nun zwei schreckliche Wochen zu haben, da ich mich nach den schönen Tagen in Peter mit meinen Freunden wieder alleine zuhause unterhalten musste. Jedoch war es dann nicht ganz so schlimm: Die letzte Schulwoche stand an und wir bereiteten uns auf das "letzte Klingeln" vor, eine kleine Aufführung für uns (elfte Klasse) und die Eltern. Wir studierten Tänze, kleine Sketche und Lieder ein. Das beschäftigte mich dann die letzten Tage in der Schule noch. Ausserdem fuhr ich oft mit Alina zusammen zu ihren Grosseltern ins Dorf. Nach meiner Rückkehr nach Lukhowitsy war der Frühling eingekehrt und der Schnee verschwunden, alles war grün und es war schon sehr warm. Besonders im Dorf war es nun sehr schön zu spazieren oder einfach faul auf der Haut zu liegen und sich zu sonnen.

Unser letztes Klingeln war ein Erfolg, alles klappte sehr gut und nach der Aufführung in der Schule fuhren wir zuerst alle in die Nachbarstadt ins Kino (Shrek 4 stand an) und abends assen wir alle noch zusammen Sushi. Am Wochenende hatten wir dann noch ein Abschlusspicknick mit der Klasse und es war wirklich noch eine fröhliche Zeit, wo ich alle noch ein wenig besser kennen lernte. Danach waren wir auch schon am Ende des Monats angelangt und ein weiteres wichtiges Ereignis stand für mich an: Meine Reise nach Tschuwaschien. Dort werde ich noch ca. zwei Wochen verbringen, danach nach Lukhowitsy zurückkehren und am 29. Juni fliegt auch schon meine Maschine von Moskau nach Zürich.

 
12:45 | 04.Februar 2012