| Sandra in Russland: Januar 2010 |
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Gleich mal vorneweg: aus dem "bis um 6 Uhr aufbleiben und durchfeiern" ist (zum Glück) nichts geworden. Die Vorbereitungen begannen schon tagsüber mit dem Vorbereiten des Essens. Etwas, das auf russischen Festen nie beim Essen fehlen darf, sind russische Salate. Mein Lieblingssalat heisst "Mimosa" und wird mit Fisch, Eiern, Käse und Majonäse zubereitet. Salatsauce ist bei den Russen recht unbekannt, deshalb werden die meisten Salate einfach ohne oder mit Majonäse serviert. Etwas weiteres Besonderes ist, dass die Salate nach strengen Regeln zubereitet werden. Die Reihenfolge der Zutaten ist nämlich genau vorgeschrieben. Als ich über diese strengen Regeln grinste und meinte, dass es doch eh nicht wichtig wäre, in welcher Reihenfolgen die Schichten nun übereinander liegen, da ich ja sowieso alles gleichzeitig im Mund habe, haben mich alle ganz entsetzt „angeguckt“ und mit einem Lachen gesagt: „Nein, nein, das ist wichtig, dass muss man genau so machen!”. Wir haben dann drei verschiedene Salate zubereitet. Die anderen waren meistens auch mit Fisch, Eiern und Käse, es gab aber einmal auch noch Randen und Karotten dazu, Majonäse war selbstverständlich überall dabei. Die Salate haben deshalb bei mir auch den Spitznamen “russische Kalorienbombe” bekommen. Für die Feiertage war ja unsere Gastschwester aus Moskau angereist. So feierten wir zusammen mit der ganzen Familie, bei den Grossmüttern und unserem Grossvater. Der Esstisch schien unter dem Gewicht der ganzen Speisen beinahe einzustürzen. So und nun für alle, denen die Frage sicher schon länger auf der Zunge brennt: JA es gab Wodka;) Für die Jüngeren gab es Cola und russische Limonade. An dieser Stelle möchte ich allen zukünftigen Austauschschülern oder einfach allen, die vorhaben nach Russland zu reisen, den Rat geben, die Finger von der Limonade hier zu lassen. Sie ist zwar extrem billig, aber auch extrem eklig (meiner Meinung nach:)). Sonst war das Essen aber spitze, aber leider war es auch viel zu viel. Bevor es mit dem Feiern losging, traf ich mich noch mit meinem Gastbruder und meiner Gastschwester aus Cheboksari, Dima und Alessia. Sie brachten mir ein Neujahrsgeschenk mit. Es ist hier nämlich üblich, sich zu Neujahr etwas zu schenken. Als ich meine Gastschwester fragte, was man denn so schenken soll, meinte sie: „Ach nur so Kleinigkeiten”. Mit Kleinigkeiten ist alle Art von Kitsch und Kleinkram gemeint. Besonders beliebt waren dieses Jahr Figürchen von Tigern (wir erinnern uns: es wird das Jahr des Tigers). Zu hause war die ganze Verwandtschaft schon versammelt und kochte oder sass vor dem Fernseher. Dort lief sozusagen die russische Version von “dinner for one”. Nicht von der Geschichte her, aber es ist auch so, dass dieser Film seit Menschengedenken jedes Jahr zu Neujahr gezeigt wird.;) Es geht in dem Film nicht um eine alte Lady, die mit ihren toten Freunden feiert, sondern um eine witzige Verwechslungsgeschichte. Diesen Film hatte ich bereits in der Schweiz mit unserer Russischklasse gesehen, damals aber mit Untertitel, welcher zum Teil aber sehr merkwürdig war. Diesmal schaute ich das Original und grinste bei der Erinnerung, dass ich die Schauspieler beim ersten Mal Schauen nicht verstanden hatte und jetzt schon. Bald ging es dann los mit dem Essmarathon, der sich ca. 4 Stunden hinziehen sollte. Um 22 Uhr wurde dann das erste Mal gefeiert für die Landsleute ganz im Osten, ebenso um 23 Uhr. Die ersten Verwandten waren also schon im neuen Jahr. Als es dann bei uns auch so weit war, wurde gefeiert und die traditionelle Rede von Medwedew im Fernsehen angehört. Danach versammelte sich beinahe die ganze Stadt um einen riesigen Weihnachtsbaum, der neben dem McDonalds aufgestellt worden war. Dort gab es auch eine riesige Bühne auf der Musik gespielt und nebenbei ein bisschen Stimmung von Väterchen Frost (Ded Maros) und seinem Schneemädchen Sneguratschka gemacht wurde. Die meisten Leute spazieren hier einfach nach Neujahr ein wenig, treffen Freunde auf der Strasse und bewundern das Feuerwerk, das überall gezündet wird. Da wir aber recht müde waren und es ziemlich kalt war, gingen wir schon etwa um drei Uhr nach hause und legten uns schlafen. Das war also das Neujahr und das einzig wirklich interessante Ereignis im Januar. Es gab noch die russische Weihnacht am 7. Januar, die war jedoch weniger spektakulär, weil meine Gastfamilie sie schon am 6ten gefeiert hatte, als ich bei Alessia in Cheboksari übernachtet hatte. Nach Neujahr hatten wir dann noch eine Woche Ferien und relaxten ein wenig. Danach fing die Schule wieder an und der Januar flog nur so an uns vorbei. Mittlerweile habe ich mich in meiner neuen Familie sehr gut eingelebt. Das Heimweh, das nach Weihnachten herrschte, war auch wieder verflogen (natürlich nie ganz) und ich hatte das erste Mal so richtig das Gefühl, dass ich eigentlich gar nicht mehr aus Russland weg wollte. Denn nach langer Suche hatte ich endlich meine Familie gefunden und fühlte mich schon als richtiger Teil von ihnen und überhaupt von dem Leben hier. Obwohl grade erst die Hälfte des Jahres um war, fühlte ich immer mehr, dass es nur noch 5 Monate sind, bis ich wieder heimfliege. Das liegt wohl daran, dass nach dem neuen Jahr alle meine Freunde gefragt haben: „Und, wann kommst du eigentlich wieder zurück?”. Nach Neujahr erscheint einem die Zeit irgendwie viel kürzer, da auch nicht mehr so viele Ereignisse dazwischen liegen, wie Weihnachten etc. Mir wurde auch von meiner Betreuerin gesagt, dass nach Neujahr alles sehr schnell vorbeigeht. Mit dem Januar hatte sie da schon mal recht, und der Februar hat auch nur 28. Tage. Aber ich werde das alles noch geniessen und nicht ans Heimfliegen denken, denn die zweite Hälfte soll ja angeblich noch besser sein, als die erste. Und schliesslich hat mein Russisch auch noch recht viel Übung nötig.;) Also, dann verabschiede ich mich aus einem recht ereignislosen Januar. Bis bald, sehr bald wohl, wenn der Februar auch so schnell vorbeizieht.
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Ich kann gar nicht glauben, dass der Januar schon wieder vorbei ist. Man kann sagen, dass er der kürzeste aber auch uninteressanteste Monat war, seit ich hier bin. Wirklich viel passiert ist in diesem Monat nicht. Aber ich habe ja noch versprochen, euch über das Neujahr in Russland zu berichten, deshalb fange ich gleich mal damit an:
