Sandra in Russland: Dezember 2009

Schon wieder ein Monat vorbei. Ich muss sagen, dass der Monat Dezember für mich manchmal ein wenig schwierig war, besonders zu Weihnachten, da ich dieses Fest zum ersten mal so ganz ohne meine Familie gefeiert habe. Aber ich fange besser von vorne an, sonst verwirre ich nur wieder alle.

Der Dezember startete eigentlich mit dem gleichen Thema wie der letzte Monat: Umzug. Wie ich in meinem letzten Bericht erwähnte, war die Wohnsituation immer noch ein Problem für mich. Natürlich kann man sich eigentlich nicht über einen etwas längeren Schulweg beschweren, da das eigentlich etwas ganz normales ist. Dennoch war ich immer noch etwas unglücklich, da ich, um meine Freunde zu treffen immer wieder in eine andere Stadt fahren musste. Eine meiner Klassenkameradinnen, der ich mein Problem erklärt hatte, sprach daraufhin mit ihren Eltern und ich erhielt bald den Anruf meines Voluntiers Katja, dass sich die Familie bereit erklärt hatte, mich aufzunehmen. Katja überliess die Entscheidung mir. Einerseits fand ich die Idee super, da diese Familie in meiner alten Stadt und ganz nahe bei meiner Schule wohnte und ausserdem verstand ich mich mit Anja, meiner Klassenkameradin, sehr gut. Doch da war auch meine jetzige Gastfamilie die ich keinesfalls verletzen wollte, besonders meine neue Gastschwester Alessia nicht, denn diese hatte ich bereits sehr ins Herz geschlossen. Letztendlich entschied ich mich dann aber für diesen Schritt und zog in der ersten Dezemberwoche um.

Image Meine neue Familie besteht aus meiner Mutter Albina, meinem Vater Dima und meiner Gastschwester Anja. Die ältere Schwester studiert seit einem Jahr in Moskau und ist gerade einmal ein Jahr älter als ich, was mich ein wenig überrascht hat. Ach ja, dann gibt es auch noch Sjoma, unser 8 Monate alter Kater. Sein Lieblingshobby ist kratzen und beissen und sein Lieblingsspielzeug bin ich ;) Die Familie ist wirklich sehr nett und hat mich gleich wie eine dritte Tochter aufgenommen. Sie sind immer sehr interessiert und fragen mich nach der Schweiz aus. Da keiner von ihnen englisch oder deutsch spricht ist es manchmal etwas schwierig und amüsant, etwas über die Schweiz zu erzählen, besonders wenn es Dinge wie den Böögg betrifft. Da stösst man schon mal auf grosse Augen und muss dann beteuern, dass alles so stimmt, wie man es gesagt hat und man nicht aus Versehen ein Wort verwechselt hat.

Mit meiner alten Gastfamilie stehe ich aber immer noch in Kontakt, besonders mit Alessia, da sie in dem einen Monat wirklich wie eine Schwester für mich geworden ist. Mit ihr habe ich also noch sehr viel Kontakt und werde sie auch bestimmt in den Ferien besuchen und mit ihr etwas unternehmen. Mit ihrer fröhlichen und warmherzigen Art schafft sie es auch immer mich aufzumuntern, wenn etwas nicht so ganz läuft, zum Beispiel wenn die russische Post mich auf die Folter spannt, indem sie einfach meine Post nicht liefert ;) Doch schliesslich erreichte mich in diesem Monat dann doch noch vor Weihnachten Post von zuhause. Und was ist natürlich in einem Paket aus der Schweiz drin? Richtig ganz viel Schokolade! Diese wurde auch mit grosser Begeisterung von allen Seiten (sogar von Alex dem Austauschschüler aus Deutschland) empfangen. A därä Stell nomal es herzlichs Dankeschön a all für diä süässi Wiehnachte! Süss war Weihnachten aber nicht immer, denn hier in Russland ist es leider so, dass man Weihnachten erst am 7. Januar feiert und es überhaupt gar nicht so wichtig ist. Der wichtigste Festtag ist hier nämlich "Novi god! Das Neue Jahr!". Natürlich war es dann immer ein wenig schwierig für mich, wenn von Image  zuhause Nachrichten kamen wie "Schmücken gerade den Weihnachtsbaum" oder "haben ganz viele Weihnachtskekse gebacken". Schliesslich kam vor Weihnachten dann doch wieder eine kleine Heimwehwelle. Doch das merkte meine Gastfamilie recht schnell und stellte für mich extra den Neujahrsbaum (eigentlich unser Weihnachtsbaum) schon vor dem 24. Dezember auf, damit ich doch noch ein wenig Weihnachtsstimmung bei mir in Russland hatte. Auch einen Plüschtiger und leckere russische Schokolade bekam ich am 24. Dezember geschenkt. Hier sind übrigens alle ganz verrückt nach Tigern, weil das nächste Jahr ja das Jahr des Tigers wird. Klar kenne ich diese Tierjahre, aber so extrem habe ich sie noch nie erlebt. Hier ist wirklich alles mit Tigern voll in den Geschäften. Und weihnachtlich dekoriert ist auch alles, auch wenn sich die Dekoration hier auf Neujahr bezieht. Aber ob der Weihnachtsmann im Schaufenster nun "Frohes Neues Jahr" oder "Frohe Weihnachten" bedeuten soll ist ja egal.

Am 25. rief ich dann via Skype meine Familie an. Auf Skype kam ich eigentlich nur, weil Alex immer mit seiner Familie so telefoniert. Und da in meinem Laptop eine Kamera und ein Mikrofon vorhanden sind, konnte ich so meine Familie sehen und sie mich. Das war wirklich sehr schön, da wir uns so lange schon nicht mehr gesehen hatten und sogar meine Grosseltern da waren. Besonders lustig wurde es dann, als meine Gastfamilie auch noch hinzukam und hallo sagen wollte. Ja und hier konnte ich dann zum ersten Mal den Übersetzer spielen - chm chm naja ich versuchte es zumindest. Es war aber immer schwer da meiner Familie in der Schweiz dann immer wieder die unmöglichsten Wörter einfielen, die ich übersetzen sollte (entschuldige aber ich woher soll ich das Wort für Tannenzapfen wissen?). Wenn ich dann am übersetzen war wurden oft noch Zwischenkommentare von allen Seiten eingeworfen was das ganze noch erschwerte. so war es dann mit der Zeit sehr anstrengend, und ich hoffe das nächste Mal wird das ganze wieder etwas ruhiger. Aber ich kann an dieser Stelle jedem künftigen Austauschschüler Skype wärmstens empfehlen.

 Image An Weihnachten war übrigens alles weiss. Darüber waren alle sehr froh, denn es sah lange nicht danach aus. Zwar hatten wir in der ersten Woche Temperaturen um die minus 7 Grad, jedoch keinen Schnee. Der Mangel an Schnee wurde dann durch die Temperatur ausgeglichen: Nachdem es dann ein Wochenende lang um die -12 Grad kalt war, sank die Temperatur plötzlich auf -24 Grad ab. Und die Krönung war dann, als ich eines morgens aufwachte und meine Gastmutter mich zum Thermometer führte, das -35 Grad anzeigte. Na das war doch mal ein russischer Winter. Als Beweis habe ich natürlich gleich ein Foto gemacht, und natürlich auch damit alle sehen, wie taff ich doch hier geworden bin ;) mehr oder weniger. Ab minus 28 Grad müssen übrigens alle bis und mit der neunten Klasse nicht mehr zur Schule. Für die anderen gibt es kein Limit. Habe ich schon erwähnt, dass ich 10te Klasse bin...? :=)

 Jetzt sind wir schon mit den Vorbereitungen auf Neujahr beschäftigt. Darüber werde ich euch im nächsten Monat berichten. Man hat mir schon gesagt, dass wir bis um 6 Uhr früh aufbleiben und feiern werden. Na dass kann ja heiter werden.


Viele Grüsse aus Russland

 
12:45 | 04.Februar 2012