50 years YFU Switzerland
Nicole in Frankreich: September 2006
Schon ein Monat bin ich jetzt hier, doch die Zeit vergeht wie im Flug und es kommt mir noch überhaupt nicht wie ein Monat vor. Einmal im Monat Tagebuch zu schreiben ist eigentlich viel zu wenig. Ich hätte schon nach der ersten Woche einen langen Bericht verfassen können. Nun beschränke ich mich aber auf 4 Ereignisse: Der erste Schultag, der Dorfflohmarkt, der Geburtstag meiner Gastschwester Jeanne und die erste Reunion mit YFU.
Mit GastschwesterDer 4. September war der allerschrecklichste Tag dieses Monats: Mein erster Schultag. Am Morgen um 7.30 Uhr kam der Vater eines Freundes meines Gastbruders Vincent mich und Vincent abholen. So waren wir schon um 8 Uhr in der Schule, meine erste Stunde begann aber erst um 9. So hatte Vincent noch genügend Zeit, sein Zimmer im Internat einzurichten und mir das Lycée ein wenig zu zeigen. Danach standen wir dann einfach herum, wussten nicht recht was reden und warteten auf die Glocke... Mein Klassenlehrer las dann alle Namen meiner Mitschüler und ihre gewählten Optionen vor. Ich war nicht auf der Liste, also musste ich mich selbst  vorstellen und von meinen "gewählten" Optionen hatte ich keine Ahnung, da ich nie was gewählt hatte. Der Lehrer fragte mich dann einfach ob ich Mathe mag und ich zuckte mit den Schultern, also teilte er mich in Mathe ein... Doch ich bin nicht die einzige Austauschschülerin hier, ich habe eine Deutsche (Delia) in meiner Klasse, die allerdings nur für 2 Monate, also noch bis Ende Oktober, hier bleibt. Mit ihr und ihrer Korrespondentin ging ich dann zu Mittag essen, doch wir redeten nicht viel und ich fühlte mich grausam alleine und verloren... Am Nachmittag hatte ich bis sechs Uhr Schule, wonach ich mich beeilen musste, um nicht den letzten Bus zu verpassen. Ich wusste leider nicht mehr genau wo die Busstation ist, fragte aber unterwegs ein Mädchen und sie begleitete mich. Ach! was mir noch zu den Bussen einfällt: Es fahren ja nicht viele Busse von meiner Schule bis in mein Dorf, doch einmal fuhren gar keine mehr, da die Busschauffeure gestreikt haben!!! Für mich war das schon sehr komisch, schliesslich bin ich mir das ja von der Schweiz überhaupt nicht gewohnt!!! Die anderen Schülerinnen, mit denen ich dann auf meine Gastmutter wartete, waren extrem stolz "wir Franzosen sind eben Rebellen". Das fand ich witzig!! Zurück zu meinem ersten Schultag: Im Bus hatte ich dann noch mal Angst, meine Station zu verpassen, doch die Busschauffeurin war sehr nett und sagte die Station an, bei der ich aussteigen musste, sie hat wohl gemerkt, dass ich nicht von hier bin. Als ich dann um acht Uhr nach Hause kam, empfingen mich meine Gasteltern und Jeanne sehr lieb und fragten, wie mein Tag so wahr und obwohl ich denn ganzen Tag hätte weinen können, weil ich mir so verloren vorkam, sagte ich "ça va", denn dann war ich nur noch glücklich zu Hause zu sein und etwas essen zu können... Ich ging dann gleich nach dem Essen schlafen, aber ich war nicht mehr traurig oder nostalgisch, sondern nur noch müde und erschöpft. Seit dem ersten Tag geht es jeden Tag besser und mittlerweile fühle ich mich schon ziemlich wohl in meiner Schule, die Leute wurden jetzt auch offener und kommen auf mich zu, was ja anscheinend sehr untypisch sei für Franzosen, was uns an der YFU Reunion gesagt wurde... Sie fragen viel über die Schweiz und dann erkläre ich ihnen immer wie das bei uns so läuft, die haben nämlich keine Ahnung von ihrem lieben Nachbarland. Viele fragen mich auch, wieso ich das hier mache und ob ich das wirklich auch wollte, denn das sei ja schrecklich, einfach ein Jahr ins Ausland zu  gehen, hier macht das niemand, während der Schulzeit...

GeburtstagAm Wochenende war dann der Flohmarkt im Dort. Es war wunderschönes Wetter und so ging die ganze Familie bummeln. Ich ging erst gegen den Mittag, meine Gastmutter war schon um acht Uhr dort. Als ich mit meinem Gastvater etwas „schneuken“ ging, sah ich eine Gitarre für 30 Euro und sagte so als Witz, komm  wir kaufen die, denn ich konnte leider meine Gitarre nicht aus der Schweiz  mitnehmen. Da sagte mein Gastvater einfach "wir haben schon eine gekauft".  Ich war extrem verwundert und fand das total nett von ihnen!! Die Gitarre hatte allerdings keine Saiten, die dann aber meine Gastmutter kaufen ging, so dass ich sie einspannen und die Gitarre stimmen konnte. Den nächsten Mittwochnachmittag verbrachte ich dann damit, Jeanne mit der Gitarre zu begleiten, während sie irgendwelche Lieder auf dem Klavier spielt. Das war total witzig!

Die Geburtstage werden hier immer am Wochenende gefeiert, denn unter der Woche sind meine beiden Gastbrüder ja im Internat. Am 19. September war der 11. Geburtstag von Jeanne. Wir feierten also am Sonntag davor. Zu Besuch kam niemand, da keiner der Familienmitglieder in der Nähe wohnt. Am Morgen assen wir den Zopf, den ich für Jeanne gebacken habe, danach half ich Jeanne den Apéro vorzubereiten. Nach dem Apéro assen wir zu Mittag: Indisch. Mmmmmm das war super!!! Zum Dessert gab es eine Apfeltorte und danach war ich übervoll!! Jeanne packte dann noch ihre Geschenke aus, von ihren Eltern bekam sie ein Spiel, von beiden Brüdern einen Bon für ein Überraschungsgeschenk und von mir eine Karte mit Schokolade, die ich noch von der Schweiz hatte. =) Und dann war das Fest auch schon fertig. Meine Gasteltern erklärten mir dann, dass in Frankreich die Feste oft aus Essen bestehen...
Am nächsten Wochenende fand die erste Reunion von allen Austauschschülern aus der Basse-Normandie statt. Wir trafen uns in Caen in einem College. Jeder der Austauschschüler brachte ein typisches Dessert aus seinem Heimatland mit. Ich wusste nicht recht was ich machen sollte, suchte im Internet nach Rezepten und backte schlussendlich eine Linzertorte. Fürs  nächste mal, möchte ich aber gerne Läggerli zubereiten, ich habe nämlich ein Rezept gefunden. Aber ich möchte das zuerst mal zu Hause ausprobieren... Als dann alle angekommen waren, gab es so Gespräche, wie es so läuft mit der Familie und der Schule... Und wir lernten unsere „Personne Relais“ kennen. Alle waren sehr nett dort und wir Jungen tauschten auch E-Mail Adressen aus. Die mitgebrachten Desserts waren grösstenteils gut, es hatte aber zum Teil Dinge, die man nicht essen konnte, wie zum Beispiel die Brownies, die so hart waren, dass man sie nicht zerschneiden konnte. Haha. Es sind viele Amerikaner hier, zudem hat es aber auch noch einen Norweger, eine Lettin, eine Thai, eine Venezuelanerin, eine Mexikanerin und eine Schweizerin, nämlich ich, haha.

So, viel mehr gibt es gar nicht mehr zu berichten, oder doch, gäbe es schon noch, aber langsam tun mir meine Finger vom schreiben weh!!

Machts gut!!!
 
23:30 | 17.Mai 2012

Nicole