50 years YFU Switzerland
Nicole in Frankreich: Mai 2007

Bonjour!


Dies ist nun wohl schon mein letzter Eintrag den ich aus Frankreich
schreiben werde. Ich melde mich dann bestimmt noch einmal nach meiner
Rückkehr in der Schweiz, um von meinem letzten Monat zu schreiben. Der Monat Mai war alles andere als langweilig. Die oft mit Feiertagen
verlängerten Wochenenden waren selten erholsam.
Am ersten Wochenende war die dritte und letzte YFU-Réunion. Diesmal dauerte
sie aber nicht nur einen Tag wie die letzten beiden, sondern das ganze
Wochenende lang. Es war ein Camping am Meer für alle Austauschschüler und
ihre Gastgeschwister organisiert worden. Den Samstag verbrachten wir also am
Meer. Das Wetter war nicht ausgezeichnet, aber wenigstens regnete es
nicht. Baden ging aber trotzdem praktisch niemand... Wir schliefen dann
auf dem Campingplatz in Bungalows und am nächsten Tag war die übliche
Réunion mit den Gasteltern. Wir sprachen viel vom Nach Hause gehen, was mir
aber nicht wirklich aktuell vorkam, ich hatte den Eindruck, dass meine
Heimreise noch ziemlich weit weg sei, schliesslich blieben ja noch zwei
Monate... Nun bleibt aber nur noch ein Monat, und das Thema "nach Hause
gehen" ist sehr aktuell geworden.
An Auffahrt kamen mich dann drei Freunde aus der Schweiz besuchen. Meine
Gasteltern erlaubten ihnen im Garten zu Campen und bei uns zu essen. Sie
kamen am Freitag in Caen an. Mein Gastvater schlug uns vor, eine kleine
Touristenrunde zu machen. Wir fühlten uns wie echte Japaner, denn wir
schafften es in einem Tag die ganze Basse-Normandie zu besichtigen =)...
Zuerst gingen wir ans Meer, zum Baden war es aber zu kalt. Dort assen wir
dann zu Mittag. Am Nachmittag machten wir noch eine Tour durch Bayeux und
besichtigten den amerikanischen Friedhof am Ohama Beach. Dies war sehr
beeindruckend. 9387 amerikanische Soldaten sind dort begraben. Auf jedem
Grab steht ein Kreuz für einen christlichen Soldaten oder ein Stern für
einen Soldaten anderer Konfession. All diese Sterne und Kreuze sind genau
symmetrisch angerichtet. Wenn man dann zwischen all diesen Gräbern steht
kommt man sich total verloren vor.
Als wir am späten Nachmittag bei mir ankamen, erlebten wir totales
Fullhouse! Meine Gastmutter ist Tagesmutter und an diesem Tag waren sechs
Kleine da. Dazu kamen meine drei Gastgeschwister, meine drei Freunde, die
Eltern und ich. Fünfzehn Personen in einem Haus, das vorgesehen ist für
sechs...=) Am Abend assen wir im Garden und die Stimmung war super angenehm. Am Samstag gingen wir dann noch Caen besichtigen und am Sonntag reisten sie
wieder ab. Diesmal mit mehr Gepäck als bei ihrer Ankunft: ich gab ihnen
einen 25kg Koffer mit... Denn für meine Heimreise darf ich nur 20kg Gepäck
dabei haben, so gab ich ihnen schon einmal eine grosse Menge mit. Meine
Gasteltern fanden meine Freunde sehr sympathisch und mein Gastvater verliert
langsam ein bisschen seine Vorurteile über die Schweizer.
Die Woche darauf hatte ich dann meine Französischprüfungen. Die Matur werde
ich hier nicht machen, denn die mündlichen Prüfungen finden am 29. Juni
statt, ich reise aber schon am 28. ab. Ich konnte aber das DELF, ein
Französischdiplom, machen. Ich wusste nicht recht, welches Niveau ich machen
sollte und schrieb mich schlussendlich für das mittlere der drei ein. Als
ich dann meine mündliche Prüfung ablegte, wusste ich, dass dies ein Fehler
war: Der Examinateur war richtig enttäuscht und sagte, dass er nichts
anderes machen könne, als mir das Maximum der Punkte zu geben... Naja,
wenigstens habe ich auf Nummer sicher bestanden.
Am letzten Wochenende hatten mein Gastvater und -bruder dann plötzlich die
Idee, Bungy-Jumping zu machen. Sie wollten, dass ich es auch tue, das Verbot
von YFU kam mir aber gerade recht, so hatte ich eine Ausrede, warum ich es
nicht machen werde und stand nicht als Angsthase da... =)
Und dann kam schon die letzte Schulwoche vor den Sommerferien. Viele kamen
gar nicht mehr zur Schule, denn am Anfang der Woche bekamen wir die
Zeugnisse und diejenigen, die wiederholen werden kamen nicht mehr... Ich fand
dies eher schade, so konnte ich ihnen gar nicht richtig auf Wiedersehen
sagen... Die Woche war trotzdem witzig. Viele verkleideten und schminkten
sich, spielten Gitarre in der Eingangshalle... Es war richtig
Ferienstimmung. Der letzte Schultag war dann aber irgendwie traurig. Im
Deutschunterricht hatte mir die Klasse ein Überraschungsabschiedsznüni
vorbereitet, was ich total nett fand. Zuerst wollten sie Schweizer
Spezialitäten vorbereiten, merkten aber, dass sie praktisch keine kannten
und liessen es schlussendlich bei Kuchen, Orangensaft und Kinderüberraschungseiern.
Am Abend war ich dann traurig, dass das alles jetzt schon vorbei ist. Ich
erinnerte mich an meine ersten Wochen in dieser Schule, die ich überhaupt
nicht mochte und jeden Tag zählte... Und jetzt war ich traurig, dass dies
mein letzter Tag war.
Ich fühle mich sehr hin- und hergerissen. Einerseits freue ich mich meine
Leute aus der Schweiz wieder zu sehen, in der Schule mit einem Ziel zu
arbeiten (hier hatte ich zwar gute Noten, ich war fünft beste der Klasse und
hatte Notion "bien", doch bringt mir das ja gar nichts...), aber
andererseits habe ich Angst davor, meine Gewohnheiten zu verlassen, mich
wieder an mein Schweizerleben zu gewöhnen und wieder deutsch zu sprechen.
Meine Gastfamilie wird nächstes Jahr zum ersten Mal seit sieben Jahren
niemanden aufnehmen, da sie umbauen werden. Sie sagen also immer wieder,
dass das Zimmer frei sei, falls ich kommen möchte...
All zu viel sollte ich ja nicht vom Abschied schreiben, schliesslich bleibt
mir ja noch einen Monat, den ich noch geniessen und ausleben möchte.

À bientôt ! 

 
23:27 | 17.Mai 2012