50 years YFU Switzerland
Nicole in Frankreich: Dezember 2006

Dass der Dezember nicht einfach würde, darauf habe ich mich schon ein bisschen eingestellt, schliesslich wurde mir das des öfteren gesagt. Der "Kulturschock", wie es genannt wurde, das "Down" des Jahres. Im Grossen und Ganzen war es dann aber gar nicht so schlimm, trotzdem bin ich aber froh, dass ich diesen Monat hinter mir habe...

Am 5. Dezember war dann mein Geburtstag. Mit der Familie feierten wir das Wochenende zuvor. Wie bei den vergangenen Geburtstagen assen wir viel und danach gab es Geschenke. Ich bekam einen Schahl und zwei Bücher, eins über "les expressions françaises" und eins über das Leben in der Normandie. An meinem eigentlichen Geburtstag hatte ich dann den ganzen Tag Schule. Die Leute waren voll nett, gaben mir tausende bisous und warfen mir jedes Mal wenn sie mich sahen ein "joyeux anniversaire" zu. Am Mittag im Self sangen sie sogar, was ich dann aber eher etwas peinlich fand, als das ganze Self klatschte und mir gratulierte... Ich habe an diesem Tag auch die Mailänderli mitgebracht, die meine Gastschwester und ich das Wochenende zuvor gebacken haben.

In der Schule ging das erste Trimester zu Ende und wir bekamen unsere Zeugnisse. Ich hatte einen Schnitt von 12,29 (es geht bis 20) und war damit siebtbeste der Klasse... Meine Gastfamilie war sehr zufrieden mit mir... =)

Am Abend riefen mich mein Freund und meine Eltern aus der Schweiz an. Beim Essen hielt mir dann mein Gastvater eine Predigt, dass ich zu viel telefoniere und zu viel Kontakt mit der Schweiz hätte. Dies fand ich ziemlich gemein, schliesslich war ja mein Geburtstag... Die Tage danach ging es mir dann nicht so gut. Die kurzen Tage schlugen mir auf die Laune und ich fühlte mich nicht so wohl in der Familie, hatte oft etwas Heimweh.

An den Wochenenden war ich oft in Caen. Einmal mit Jon Even und Sandra (einer Mexikanerin), denn die beiden hatten in der gleichen Woche wie ich Geburtstag und so feierten wir das zusammen. Noch mit einer Norwegerin, die mit Jon Even im Französisch für Ausländer ist. Es war ganz witzig. Wir assen am Mittag in einer Crêpperie und am Nachmittag spazierten wir einfach durch Caen und besichtigten eine Kirche (es hat extrem viele Kirchen in Caen!!).
Ich war aber natürlich auch in Caen um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Der Weihnachtsrummel war schlussendlich auch hier enorm, obwohl ich ja zuerst dachte dass die Vorweihnachtsstimmung hier weniger stark ist als bei uns.

An Weihnachten ging es mir dann wieder viel besser. Gefeiert wurde am 24. am Abend. Wir assen Apéro, Vorspeisse, Hauptspeise, Fromage und dann noch eine Weihnachtsbuche... Eieiei, wie können die Franzosen nur immer so viel essen??? Ich war danach also wieder einmal übervoll, was hier bei Festen scheinbar normal ist... =)
Danach machten wir nicht mehr viel (waren auch gar nicht mehr zu viel fähig...). Wir stellten nur noch unsere Schuhe unter den Weihnachtsbaum, damit der Weihnachtsmann die Geschenke draufstellen kann... Schliesslich mussten wir ja auch noch genügend schlafen, denn am 25. standen wir um acht Uhr auf, um die Geschenke auszupacken. Das habe ich ja noch nie gemacht!! Am Morgen früh aufstehen, um Geschenke auszupacken... Ich wurde grosszügig beschenkt und den Rest des Morgens verbrachten wir alle dann damit, unsere Geschenke gleich auszuprobieren. Am Mittag gab es dann noch einmal ein grosses Menu, auch wenn ich das eigentlich gar nicht mehr nötig fand, schliesslich war ich immer noch satt vom Vorabend.

Silvester verbrachte ich auch mit meiner Gastfamilie. Obwohl ich zuerst nicht so lust darauf hatte, denn all meine Freundinnen und Freunde aus dem Lycée machten eine grosse Party am Abend zu welcher ich auch eingeladen gewesen wäre... Aber schlussendlich war es dann doch unheimlich witzig!!! Am Abend wieder ein grosses Menu, aber diesmal Schweizerisch! Meine Gasteltern haben mich schon vor längerem gefragt, was wir an Silvester immer essen. "Fondue chinois", war sofort meine Antwort. Zuerst dachten sie, ich meine es ironisch... Es könne doch nicht sein, dass die Schweizer an Silvester ein fondue chinois essen... Sie wollten dann also, dass ich etwas "schweizererisches" finde... Also typischer für die Schweiz...
Tja, schlussendlich assen wir Spätzli und Gehacktes. Dies war unglaublich witzig zum zubereiten, denn ein Knöpflisieb hatten wir nicht... So suchten wir im ganzen Haus nach irgendwelchen Gegenständen mit Löchern, mit welchen wir die Spätzli zubereiten könnten... Schlussendlich hats geklapt und alle mochten das Essen. Als wir dann um 11 Uhr fertig waren (wir essen hier immer sehr spät), schlug mein Gastvater eine Tour im Dorf vor, mit dem Ziel, möglichst viel Lärm zu machen (das sei gut zum verdauen...). Also schnappte ich mir ein Tambourin und die anderen bewaffneten sich mit Trompete, Flöte und was sie sonst noch so an Instrumenten im Haus fanden. Es war sooo lustig, wie wir da als kleine Gruppe durchs Dorf und um die Kirche spazierten und dabei wie verrückt auf unsere Instrumente einschlugen und hineinbliesen.

Nach dem Mitternachts-Champagner gab es dann noch eine Schlacht mit Blasrohren.

Tja und so hat für mich das Jahr 2007 begonnen, zum ersten mal ohne Fondue chinois und in einem anderen Land als der Schweiz...

Ich wünsche allen e guets Neus!!

 
23:25 | 17.Mai 2012

Nicole