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Der März war im Gegensatz zum Februar kurz und munter. Ich hatte Mitte März ein unglaubliches Hoch und war meistens guter Laune. In diesem Monat gab es so viele Highlights, das ich nur von einigen berichten werde.
Das erste Ereignis, über das ich berichten möchte, war die „Russerevy“. Dieser Event war für mich persönlich ziemlich emotional und ich merkte, wie fest ich mich doch hier in Norwegen verwurzelt habe. Aber zuerst muss ich vielleicht erklären was „Russerevy“ eigentlich ist. In Norwegen heissen die Schüler, die die 3. Klasse des Gymnasiums besuchen (die im letzten Jahr) „Russ“. Man kann das mit den Maturanden in der Schweiz vergleichen. Doch in Norwegen ist „Russ“ eine Kultur. Es ist eine lange Tradition und es gibt allen im letzten Jahr einen richtigen Zusammenhalt. Das Ganze beginnt schon im August, wenn das Schuljahr beginnt. Die „Russ“ haben über das ganze Jahr verteilt immer wieder Tage, an dem sich alle verkleiden. Sie haben jedes Mal ein anderes Thema. Es ist für uns Jüngeren oft ziemlich lustig, die Ältesten so herausgeputzt zu sehen. Alle „Russ“ haben auch ihre eigene „Russedrakt“ also Bekleidung. An meiner Schule besteht diese aus roten Latzhosen, die den Latz aber hängen lassen, und einem Kapuzenpullover und speziellen T-Shirts. Dazu gehört ein roter Hut. Je nach Schule ist man „Rødruss“, „Svartruss“ oder „Grønnruss“. Wenn man „rødruss“ ist, dann besucht man das normale Gymnasium. Ist man „Svartruss“, geht man an eine Berufsschule. Und ist man „Grønnruss“, dann besucht man eine „Naturschule“. Die Farben der Kleider ändern sich entsprechend der Schule, an die man geht. Doch nun zurück zur „Russerevy“. Dies ist ein Theater mit vielen kleinen Sketchen in denen sich die Drittklässler unsere Lehrer, lokale Angelegenheiten und norwegische Angelegenheiten parodieren. Das Ganze wird immer wieder mit Gesang aufgemischt. Es war wirklich erstaunlich, was sie da zustande gebracht hatten. Den meisten Sketch verstand sogar ich und die Lehrerparodien waren wirklich zum Schreien komisch. Alle meine Freunde begannen über ihre eigene „Russerevy“ nächstes Jahr zu diskutieren. Und als ich dann alle „Russ“ beim letzten Lied lächelnd auf der Bühne stehen sah, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich niemals auf dieser Bühne in „Russedrakt“ stehen werde. Dass ich niemals lächelnd meinen roten Hut in die Luft werfen werde und mich schon auf die anschliessende Party freuen werde. Es wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, dass ich in drei Monaten schon Heim reisen werde und dass es unzählige Dinge gibt, die ich nie mit meinen Freunden zusammen erleben werde. Dies stimmte mich in diesem Moment einfach unglaublich traurig. Und doch fühlte ich mich seltsamerweise sehr glücklich, weil ich merkte, dass ich mich nun wirklich als Teil dieser Schule fühle und als Teil meines Freundeskreises.
Ein anderes wirkliches Highlight waren die „Påskeferie“ also die Osterferien. Angefangen haben sie mit einer Schneehöhlentour. Diese war von YFU organisiert. Meine beste Freundin Åslaug und ich nahmen beide daran Teil. Wir fuhren am Freitagabend ungefähr zwei Stunden nördlich, in der es ein bisschen mehr hüglig ist. Nachdem wir uns einige male verfahren haben, waren wir dann endlich am richtigen Ort. Wir konnten in der Hütte von einem der drei Leiter übernachten. Wir wurden mit warmen Spaghettis empfangen. Wir verbrachten den Abend mit Kartenspiel und Rätseln. Um ca. zwölf Uhr nachts kam der Hüttenbesitzer plötzlich auf die Idee, die Sauna aufzuheizen. Und so kam es, das wir um ein Uhr nachts die Sauna genossen und uns im Schnee badeten – herrlich! :)  Am nächsten Morgen standen wir früh auf und fuhren zum Ort, wo die Tour starten sollte. Wir schnallten uns unseren Langlaufski an die Füsse und die schweren Rucksäcke auf den Rücken. Und schon ging es los. Immer mit einer sanften Steigung den Berg hinauf. Nach ca. einer Stunde hatten wir die Stelle erreicht, die fürs Schneehöhlengraben geeignet war. Nach einer kleinen Stärkung fing das Graben an. Um eine Höhle für 5 Leute anzufertigen braucht man ungefähr 5 bis 6 Stunden. Ich war nass bis auf die Unterwäsche als wir dann endlich fertig waren. Ich war dann doch ziemlich froh, meine nassen Kleider wechseln zu können und warmes Essen in den Magen zu bekommen. Alle zogen sich dann ziemlich rasch in ihre Schneehöhlen zurück, denn dort war es wärmer als draussen. Wir stellten überall Kerzen auf und machten es uns mit warmer Schokolade gemütlich. Die ganze Höhle war in warmes Licht getaucht und es war wirklich gemütlich. Wir massierten uns gegenseitig und erzählten Gruselgeschichten. Geschlafen habe ich erstaunlich gut. Obwohl es auf unserer Seite der Schneehöhle ziemlich eng war, weil am Abend plötzlich eine Person mehr auf unserer Seite schlafen wollte als geplant. Wir schliefen also auf sehr engem Raum, was aber eigentlich ein Vorteil war, da konnten wir uns gegenseitig warm geben. :) Zum Frühstück assen Åslaug und ich warmer Kartoffelstock. Ich weiss, das tönt ziemlich eklig, aber es war unglaublich gut, etwas Warmes in den Magen zu bekommen, dass einem genug Energie für den Tag gibt. Das ist das wichtigste auf solchen Touren, dass man genug fettiges Zeug isst. Wir waren alle eigentlich die ganze Zeit am essen, um uns warm zu halten. Ja auf jeden Fall räumten wir unser Lager auf, schnallten unsere Skis an die Füsse und machten uns auf den Heimweg. In Våler wartete ein leeres Haus auf mich (meine Gastfamilie war schon in Trysil) und ich genoss die Ruhe und Stille nach 3 Tagen mit vollem Programm. Ich glaube, ich habe eine Dusche und mein Bett noch nie so genossen, wie an diesem Abend. Die nächsten Tage verbrachte ich alleine in Våler. Ich war ein Tag in Oslo und wir hatten eine kleine Party bei einer Freundin Zuhause. Am Freitag fuhren Åslaug und ich dann nach Trysil zu meiner Gastfamilie. Norwegische Ostern bedeutet für viele Familien in eine Hütte in Urlaub zu fahren und deshalb hatte es massenweise Leute in Trysil. Und es lief wirklich etwas. Das eine Restaurant veranstaltet jedes Jahr ein Openair. Man fährt mit dem Snowboard direkt vor den Eingang und es ist einfach eine riesige Menschenmasse in Schneekleidung, die dich erwartet. Das Beste ist, der Eintritt ist gratis. Ich sah zwei ziemlich berühmte norwegische Bands und eine schwedische Partyband. Die Stimmung war sehr entspannt und fröhlich und ich genoss es in vollen Zügen. Auch die Pisten waren traumhaft. Und das Wetter spielte auch mit, wir hatten alle vier Tage Sonne. Am Sonntag veranstaltete meine Gastfamilie ein Springwettbewerb. Freunde der Familie waren eingeladen und jeder zeigte seine coolsten Sprünge. Ich sprang mit dem Brett, doch ich fiel immer gerade nach dem Kicker um. Aber Spass hat es trotzdem gemacht. Am meisten beeindruckt hat mich der 3- jährige August. Der Kleine wollte auch schon am Wettbewerb teilnehmen. Er fuhr schnurgerade über den Kicker, fiel natürlich hin, richtete sich ohne zu weinen auf und wollte es noch mal versuchen!
Ja dies waren meine Highlights diesen Monat. Die Zeit hat zu rasen begonnen. Ich probiere meine verbleibende Zeit einfach so gut wie möglich zu geniessen. :)
Liebe Grüsse aus Norwegen Isabelle
April 2008
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