50 years YFU Switzerland
Flavia in Chile: August 2008

Hallo zusammen!Image

Nun bin ich also seit über einem Monat in Chile. Nach den drei Einführungstagen im YFU- Camp fuhren alle 50 Austauschschüler zu ihren Gastfamilien. Für mich bedeutete dies acht Stunden Busfahrt von Santiago nach Pitrufquén, die ich glücklicherweise in der Nacht zurücklegen konnte. So kam ich morgens um 08 Uhr mit zwei anderen YFU-Studenten in Pitrufquén an, wo mich meine Gastfamilie herzlich begrüsste. Seit diesem Tag sind nun schon vier Wochen vergangen und ich fühle mich schon ziemlich heimisch hier, obwohl hier alles anders ist als in der Schweiz.

Pitrufquén ist ein „kleines“ Dorf (17'000 Einwohner) im Süden Chiles. Es liegt in der IX. Region, die eine der ärmsten Regionen Chiles ist. Dies zeigt sich mir tagtäglich: Die Häuser sind klein, nur mit dem Nötigsten ausgestattet und werden von Holzöfen beheizt. So klein die Häuser sind, so gross ist die Gastfreundschaft der Chilenen und auch meiner Gastfamilie. Diese setzt sich zusammen aus meinem Gastvater Gabriel, der Spediteur ist, meiner Gastmutter Raquel, Hausfrau, und meinen zwei Gastschwestern. Wie sich das für Chile so gehört, habe ich natürlich noch mehr Verwandte in Pitrufquén. Da sind fünf Onkel, drei Tanten und ungefähr 30 Cousinen und Cousins, die in unserem Häuschen ein und aus gehen. Meine jüngere Gastschwester heisst Catalina und ist neun Jahre alt. Sie ist total anhänglich und umarmt mich jeden Tag so um die dreissig Mal. Meine andere Schwester, Silvia, ist 17 Jahre alt und mir sehr ähnlich. Wir hören die gleiche Musik, mögen die gleichen Freizeitaktivitäten und verstehen uns super. Mit ihr habe ich schon ganz Pitrufquén sowie die Nachbarorte Temuco und Freire erkundet.

ImageMit Silvia gehe ich auch in die gleiche Schule, wenn auch nicht in die gleiche Klasse. Ich besuche die dritte Klasse des Colegios Monseñor Guillermo Hartl, das ein halbprivates, katholisches Gymnasium ist. In meiner Klasse habe ich 40 Mitschülerinnen und Mitschüler, welche alle von der ersten Lektion an total nett und offen zu mir waren. In der zweiten Woche haben sie sogar ein Überraschungsfest für mich veranstaltet, mit typisch chilenischen Leckereien. In der Schule ist ebenfalls alles anders als in der Schweiz. Die Schüler sind NIEMALS ruhig, sondern schwatzen ununterbrochen. Es wird auch immer mal wieder ferngesehen, wenn die chilenische Fussballmannschaft gerade ein Spiel bestreitet oder Fernando Gonzales in Beijing um eine Medaille für Chile kämpft. Die Lehrer sind hier mehr Freunde als Autoritätspersonen für die Schüler. Sie machen Witze, nennen die Schüler bei Spitznamen und bringen gelegentlich Kaffe für die ganze Klasse zur Schule. Mir gefällt zwar dieser lockere Umgang, jedoch verstehe ich noch nicht immer alles, da mein Spanisch noch nicht allzu gut ist. Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich mich auf Spanisch eigentlich schon gut unterhalten kann, wenn man bedenkt, dass ich bei meiner Ankunft in Chile kaum ein Wort Spanisch sprach.

Das Essen hier unterscheidet sich kaum von dem Essen in der Schweiz: Es gibt viel Kartoffeln, Suppen mit Gemüse, Fleisch und Fisch. Meine Gastfamilie ist sehr liberal eingestellt und hat kein Problem damit, dass ich mich vegetarisch ernähre, was für Chile eine grosse Ausnahme ist. Ich bin sehr glücklich mit meiner Familie, die oft mit mir spricht und mich von Anfang an wie eine Tochter bzw. Schwester behandelt hat. Sie sagen mir immer wieder, dass das Wichtigste für sie sei, dass ich ein schönes Austauschjahr habe. Dafür unternehmen sie wirklich alles. Sie haben mir zum Beispiel auch einen Welpen von ihrer Hündin geschenkt, weil ich ein absoluter Hundefan bin. Dies gab mir von Anfang an ein gutes Gefühl und daher habe ich auch keine Probleme mit Heimweh, auch wenn ich meine Familie und Freunde ab und zu vermisse. Für mich ist es auch schön, dass in meiner Schule zwei andere Austauschschüler von YFU sind: Jannick aus Deutschland und Christoffer aus Dänemark. Wir helfen uns gegenseitig, wenn wir Heimweh oder ein anderes Problem haben. Dies war für uns vor allem am Anfang sehr wichtig, weil hier alles so anders war. Ich freue mich auf die nächsten 11 Monate hier in Chile und bin überzeugt, dass ich hier noch sehr viel Schönes erleben werde.

 
22:48 | 17.Mai 2012