Sandra in Russland: April 2010

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht genau, was ich über den April schreiben soll. Wirklich viel passiert ist nicht. Ich ging den ganzen Monat zur Schule, hatte Fussballtraining und hing sonst oft zuhause rum oder ging spazieren. Mit Lukhowitsy kann ich mich immer noch nicht anfreunden und bin froh, wenn ich wieder von hier weg kann. Dennoch war der Monat nicht ganz so schlimm, denn bald würde meine Reise nach St.Petersburg anstehen (anfangs Mai). Zwar war es bis zur endgültigen Erlaubnis noch ein rechter Kampf mit YFU Russland (tut mir leid, aber ich musste das einfach schreiben), doch dank tatkräftiger Unterstützung von zuhause und YFU Schweiz wurde alles noch geklärt.

Weil es vom Monat April nicht viel Spezielles zu erzählen gibt, habe ich mich entschlossen, ein wenig über alles Mögliche zu schreiben, was ich so über Russland gelernt habe in den letzten paar Monaten, um vor allem zukünftigen Austauschstudenten hier einige "Überlebenstricks" zu geben.

- Das wichtigste Fest in Russland ist Neujahr, wer sich auf ein schönes Weihnachtsfest freut, wird dies einfach an Neujahr erleben (denn es wird auch gross in der Familie gefeiert und Geschenke werden ausgetauscht, natürlich gibt es auch ein riesiges Festessen;))

- Russische Schuldirektoren sind sehr stolz auf ihre Schule und man kann sich bei Ihnen sehr beliebt machen, indem man Preise für die Schule gewinnt

- Für zukünftige Wolgagänger: Im Sommer "w wolge" (in der Wolga) im Winter "na Wolge" (auf der Wolga)

- Im Sommer sollte man möglichst auf Marschrutkafahren verzichten, da es darin sehr ungemütlich werden kann bei +30°C

- In der Marschrutka immer laut und deutlich schreien, wenn der Fahrer an der nächsten Stadtion anhalten soll!

- Nach Neujahr sind alle Bus- und Marschrutkatickets teurer – Vorsicht!

- 400'000 Einwohner ist für Russland ein "Dorf"

- Schaschlik auf der Strasse sollte mit Vorsicht genossen werden - man weiss nie, was drin ist

- Russische Busfahrer sind sehr freundlich und warten meistens oder halten sogar nochmals an, um jemanden einsteigen zu lassen

- In russischen Kinos ist telefonieren und lautes Unterhalten untereinander normal

- Im russischen Fernsehen wird man auf viele bekannte Fernsehsendungen treffen - einfach in einer russischen Version

- Dasselbe gilt übrigens auch für zahlreiche Produkte wie zum Beispiel Süssigkeiten (Magnum wird zu Magnat)

- SSSR Eis ist simpel, billig, aber superlecker

- Wenn man bei Seven "Aktion" Produkte kauft, sollte man unbedingt das Haltbarkeitsdatum überprüfen

- Das beste Konfekt kommt aus Tschuwaschien - Akkond! (besonders gut: Slimo und Step)

- Man sollte unbedingt mal Tschak-Tschak (Süssigkeit aus Tatarstan) probieren – Superlecker!

- Die Russen trinken mehr Tee als die Engländer

- Für Russen ist es mehr als ungewohnt und merkwürdig, wenn jemand während dem Essen trinkt. Russen essen nämlich zuerst und trinken danach ein Teechen

- Die meisten Russen können keinen Tee trinken, ohne etwas Kleines dazu zu essen (meistens etwas Süsses oder Käse)

- Im Winter sieht man oft morgens früh die Leute auf die Strasse gehen, um schon mal den Motor im Auto anzulassen, damit sie später auch rechtzeitig zur Arbeit losfahren können

- Russische Autoalarmanlagen sind supernervig, da sich wohl keiner entscheiden konnte, welche Art von Alarmsignal das Beste ist und deshalb spielen sie einfach mal eine ganze Palette von verschiedenen Signalen ab

- Betrunkene steigen im Bus meistens hinten ein - Vorne halten!

- Wenn das Volk im russischen Zug nach vorne strömt, ist der Kontrolleur nicht weit

- Wenn man der Frau im Bus einen grösseren Schein als 10 Rubel gibt, sieht diese es als ihre Pflicht an, das Wechselgeld in 10 und 50 Kopeekenmünzen auszuzahlen

- Wenn russische Autofahrer ohne sichtlichen Grund hupen, heisst das, dass sie jetzt rückwärts fahren (ohne zu gucken)

- Im Sommer gibt es auf den Strassen viele kleine Stände, wo Kwas verkauft wird (Zitat Wikipedia: Altes russisches kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk, welches durch Gärung aus den Grundzutaten Wasser, Roggen und Malz gewonnen wird). Es ist aber abzuraten, Kwas aus gelben Bottichen zu kaufen. Erstens werden diese selten gereinigt und zweitens hat man dort schon einige Male sehr unappetitliche Dinge gefunden

- Wer als Schweizer nach Russland kommt, muss sich damit abfinden, dass er für die Russen immer der ist, "der aus Schweden kommt"

- Russische Märkte reizen zwar damit, dass die Dinge sehr viel billiger sind als im Geschäft, allerdings ist die Qualität auch oft entsprechend mies

- Wenn man beim Verkäufer ein Produkt mit einem englischen Namen kaufen will, muss man das Wort "russisch-englisch", sprich mit russischem Akzent, aussprechen, sonst versteht keiner, was man will (zum Beispiel "Koka Ko-o-la")

- Im August unbedingt Wassermelonen probieren – Superlecker!

- Zum Tee schmeckt am besten Chalva

- Die Russen lieben es, im Sommer im Garten auf der eigenen Datscha zu arbeiten

- Russisches Tempolimit + 20km/h = Mindestgeschwindigkeit, die man braucht, um nicht ausgehupt zu werden wegen zu langsamen Fahrens

- Auf russischen Toiletten darf man drei Dinge nicht für Selbstverständlich nehmen: Toilettenpapier, Toilettensitz und eine Tür

- Russische Jugendliche lieben es, im Winter Schlittschuh zu laufen und im Sommer spazieren zu gehen

- Wenn man zu Freunden geht (sei es um dort einen Film zu gucken oder einfach nur, um die Zeit tot zu schlagen) sollte man zuhause nichts mehr essen, da man dort sofort von Suppe bis Kekse alles Mögliche angeboten bekommt und beinahe nichts ablehnen kann

- Auf russischen Strassen gibt es Katzen - VIELE Katzen

- Zebrastreifen sind das Zeichen dafür, dass man langsamer fahren muss, um zu gucken, ob eine Miliziastreife in der Nähe steht und dabei zusehen könnte, wie man das Fussgängervortrittsrecht ignoriert

- Wenn die Marschrutka von der Milizia angehalten wird, heisst das oft, eine halbe Stunde warten

- Auch in noch so kleinen russischen Geschäften arbeiten oft mehrere Verkäufer, welche sich aber entweder nur untereinander unterhalten oder beinahe aufdringlich hilfsbereit sind ("Wir gucken nur mal bisschen rum" kennen sie übrigens nicht)

- Die Sache mit der schwarzen Katze, die einem nicht den Weg kreuzen sollte, nehmen viele Russen sehr ernst

- Bevor jemand auf eine Reise aufbricht, setzen sich noch alle ein paar Minuten auf Stühle – das bringt Glück

- Und für Kinoliebhaber der wohl wichtigste Survival-Tipp: Im russischen Kino gibt es keine Pause - deshalb lieber noch mal schnell auf die Toilette gehen und mehr Popcorn kaufen, als Getränke (besonders wenn man sich einen dreistündigen Film wie "Avatar" anschauen geht... ach ja...)

 
12:50 | 04.Februar 2012